Wenn ich an Berufung denke, stellt sich mir zunächst einmal die Frage, was man heutzutage unter diesem Wort versteht. Berufung ist für viele Menschen ein kaum ernstzunehmender Begriff; und die meisten Menschen in unserer modernen Gesellschaft können sich unter diesem Wort kaum etwas vorstellen. Oft fällt der Begriff „Schicksal“, wenn ihnen etwas übernatürlich erscheint. Dabei ist genau das Berufung – etwas, was jeder Mensch in seinem Leben erleben kann und was auf je andere Art und Weise zum Vorschein kommt. In dem Wort „Berufung“ steckt ein Wort, das wir alle kennen: „Beruf“. Jeder Mensch erlernt in seinem Leben einen „Beruf“, ein Handwerk, das er gerne macht und worin er gut ist – Tag für Tag. Er hat sich bewusst für diesen und keinen anderen Beruf entschieden. Er möchte bewusst sein Leben lang in diesem Beruf arbeiten.
Und so funktioniert auch Berufung: Ich entscheide mich bewusst für etwas in meinem Leben! So habe ich mich bewusst dazu entschieden, Lehrerin zu werden.
Doch Berufung macht für mich noch mehr aus. Kardinal John Henry Newmann bringt das sehr schön auf den Punkt:
„Ich bin berufen, etwas zu tun oder zu sein, wofür kein anderer berufen ist. Ich habe einen Platz in Gottes Plan, auf Gottes Erde, den kein anderer hat. Ob ich reich bin oder arm, verachtet oder geehrt bei den Menschen, Gott kennt mich und ruft mich bei meinem Namen.“
Für mich ist Berufung nicht irgendetwas unerklärliches, das „einfach mal so“ passiert.
Für mich ist Berufung ein Ruf Gottes! Und dieser Ruf hat sich in meinem Leben schon ganz vielfältig gezeigt. Nach meiner Erstkommunion bin ich Messdienerin geworden, was meinen Lebensweg bisher stark geprägt hat und immer noch prägt. Dadurch konnte ich viele schöne Erlebnisse in der Liturgie und in der Gemeinde machen. Die Menschen denen ich begegnen durfte und die mich begleitet haben, sei es der Vikar, meine Eltern oder gute Freunde, die den Weg mit mir gemeinsam gegangen sind, haben ganz viel dazu beigetragen, dass ich diese Richtung eingeschlagen und mich bewusst dazu entschieden habe, katholische Religionslehrerin zu werden. Ich möchte prägende Erlebnisse, wie zweimal die Messdienerwallfahrt nach Rom oder eine Lourdes-Fahrt nicht missen, da mir hier besonders bewusst wurde, dass die Kirche und der Glaube an Jesus Christus die ganze Welt verbindet. Diese Begeisterung im Glauben war dort förmlich greifbar und berührte mich sehr.
Natürlich gab es auch Momente in meinem Leben und wird es sicherlich noch geben, in denen mir der Glaube schwer fiel und ich hadern musste. Aber irgendwie hat Gott es immer wieder geschafft, mich zurück auf seinen Weg zu bringen. Berufung ist also nicht einfach zu erkennen und zu ergründen. Es sind verschlungene Wege, die ich gehen muss, auf denen ich auch zweifeln darf an Gott und seinem Handeln in der Welt. Berufung ist eine Herausforderung in meinem Leben, die ich dankbar annehmen darf, an der ich wachsen kann und die mich auch immer wieder fragen lässt: „Bin ich auf dem richtigen Weg?“.
Letztendlich kann Gott jedem Menschen erfahrbar werden, wenn er sein Herz für ihn öffnet. Gott ruft, auch wenn er nicht gehört wird und die Menschen ihre Herzen verschließen. Jede Art der Berufung ist Teil von Gottes Plan. Für jeden Menschen sind es andere Dinge, Erlebnisse, Erfahrungen oder auch Mitmenschen im Leben, die seine Berufung ausmachen. Dies zeigt sich im Leben der Menschen auf andere Art und Weise. Bei mir zeigt es sich eben darin, dass ich katholische Religionslehrerin werden und dadurch auch meinen Glauben bezeugen möchte.


