Eine Berufungsgeschichte ist für mich nicht eine abgeschlossene Geschichte, die man erzählen kann, wie ein Märchen oder einen Roman. Gott übernimmt in ihr für mich die Rolle des Autors und jeder Mensch wird für IHN zu SEINEM Schreibwerkzeug.
In meinem Fall, komme ich mir manchmal vor, wie ein Füller mit unterschiedlich farbigen Patronen, die dann und wann wieder leer sind und aufgefüllt werden wollen. Ein Stift, der immer mal wieder ohne Deckel austrocknet, oder wie ein Bleistift, der unangespitzt auf dem Papier nur undeutlich seine Botschaft hinterlässt. Oft erkenne ich in mir aber den Pinsel, der wunderschöne Bilder hervorbringt, oder den leuchtenden Edding, der großen Buchstaben zu Papier bringt und damit hilft eine wichtige Botschaft mitzuteilen. So nutzt Gott mich als Schreibwerkzeug immer weiter für meine Berufungsgeschichte, die längst nicht abgeschlossen ist und in der jeden Tag ein neues Kapitel beginnt. Ab und zu denke ich: „Das Kapitel kenne ich schon! Nicht schon wieder. Das war langweilig oder anstrengend!“ Ein anderes Mal freue ich mich: „Oh jetzt geht es an der Stelle weiter, da war ich schon gespannt, wie es weitergehen würde.“
Einige Kapitel waren für mich besonders wichtig:
Als Kind und als Jugendlicher hatte ich keinen besonderen Draht zur Kirche. Meine Mutter überließ es mir selbst, ob ich getauft werden wollte oder nicht. Mit neun Jahren wollte ich wie meine Klassenkameraden zur Erstkommunion gehen und ließ ich mich zwei Wochen vorher taufen. Da war aber auch zum ersten Mal die Sehnsucht spürbar, Jesus nah sein zu wollen. Ich war dann auch in der KJG aktiv, aber den Bezug zu Jesus, Gott und der Kirche nahm ich dort nicht wahr.
Jeden Sonntag wurde ich zur Kirche mitgenommen oder später als Jugendlicher auch alleine geschickt. Bald begann ich den Gottesdienst zu schwänzen. Um die Nachfrage meiner Mutter nach dem Evangelium und der Lesung trotzdem beantworten zu können, setzte ich mich in die Eisdiele und las in der Kirchenzeitung DER DOM, die ich verteilte, die Texte nach. Manchmal überlegte ich mir auch gleich eine passende kurze Predigt. Diese Zeit habe ich viel mehr genossen, als wenn ich wirklich in den Gottesdienst gegangen wäre. Ich wurde mit meinen Klassenkameraden zusammen gefirmt, aber auch das änderte nicht wirklich was an meiner Beziehung zu Gott oder der Kirche.
Nach meinem Abitur wusste ich wie so viele nicht wirklich, was ich jetzt studiere sollte und so nahm ich eine Idee von Freunden aus der Fokolarbewegung dankbar an für einige Monate nach Italien zu gehen. Dort gibt es das Dorf Loppiano, ca. 30km von Florenz entfernt. Da leben Menschen aus aller Welt für eine gewisse Zeit zusammen und versuchen im Alltag das Evangelium in die Tat umzusetzen.
Dass das, was in der Bibel geschrieben steht, etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun haben sollte, fand ich sehr spannend. So fuhr ich ziemlich unbedarft mit einem Koffer nach Italien und erlebte dort eine echt abenteuerliche und wunderschöne Zeit. Im Haus waren wir 50 Jungs aus 26 verschiedenen Ländern. Meine WG teilte ich mir mit einem Finnen, einem Schweizer, zwei Koreanern, einem Mexikaner, einem Phillipino und einem Iraker. Im alltäglichen Zusammenleben mit aller kultureller Unterschiedlichkeit habe ich zunehmend gemerkt, dass das Wort aus dem Evangelium, welches wir uns gemeinsam am Anfang der Woche wählten und dann versuchten in die Tat umzusetzen, wirklich alle Barrieren überwand. Ich erfuhr ein bis dahin nicht gekanntes Gefühl von Freiheit und Glück.
Basilius der Große hat einmal gesagt: „Sehnsucht ist das Los des Geistes, der einmal Gottes Schönheit geschaut hat.“ Das trifft als Beschreibung auf die Zeit damals und vor allem auf das Danach zu. Wenn man einmal erlebt hat, was es bedeutet in einer innigen Beziehung zu Jesus zu leben, IHN beim Wort zu nehmen und andere Menschen um sich zu haben, die diesen Lebensstil teilen, dann wird man diese Sehsucht nicht mehr los, diese Nähe immer wieder zu erfahren.
Dadurch bekam ich einen völlig neuen Zugang zur heiligen Messe, zu den Sakramenten und zum Gebet.
Natürlich verlief ab dann nicht alles gradlinig bis heute. Denn ich bin ja immer noch dasselbe eigentümliche Schreibgerät. Aber die Sehnsucht hielt und hält an.
Sie ließ mich nach dem Studium von drei Semestern Diplompädagogik, in denen ich mich gegen Ende immer häufiger in die Theologievorlesungen geschlichen habe, das Studium wechseln und Religionspädagogik studieren. In meinem jetzigen wunderschönen Beruf als Gemeindereferent habe ich viele tolle Möglichkeiten mit Menschen zu arbeiten. Ich darf von ihren (Glaubens-) Leben lernen und mit ihnen zusammen andere Menschen aufmerksam machen auf das Wirken Gottes in dieser Welt und in einem jeden Menschen. Im Sinne HYPERLINK “http://www.spruch-archiv.com/autor/281-Antoine-de-Saint-Exupery/”Antoine de Saint-Exupérys: „Wer die Menschen dazu bewegen will, ein Schiff zu bauen, der muss bei ihnen die Sehnsucht zum Meer wecken“, möchte ich Menschen für ein Leben mit Gott begeistern, aus der alltäglichen Beziehung zu Jesus heraus. Denn ich merke, wie dankbar ich bin, dass mich meine Sehnsucht nach MEHR immer wieder gespannt sein lässt auf jedes neue Kapitel meiner Berufungsgeschichte, dass Gott zusammen mit mir noch schreiben möchte.
“Anm. der Red.: Die Fokolar-Bewegung ist eine geistliche Gemeinschaft. Mehr Infos unter: HYPERLINK “http://www.fokolar-bewegung.de” \o “blocked::http://www.fokolar-bewegung.de/” www.fokolar-bewegung.de”
Manuel Franke, Gemeindereferent im PV Marsberg-Mitte



