
Johannes Schäfers, Gemeindeassistent im Pastoralverbund Nethegau, ist nicht morgens aufgewacht und am Fußende saß Jesus Christus, aber er glaubt mit Menschen, die sehnsüchtig sind und ist deshalb selbst Mitmensch, der mitsucht, mithofft, glaubt…
Vor zwei oder drei Jahren war ich mal bei einer Freundin zu einer Gartenparty eingeladen. Soweit nichts Besonderes. Da ich die meisten Gäste nicht kannte und nicht sonderlich schüchtern bin, habe ich an dem Abend eine Menge Menschen kennen gelernt. Neben anderen auch einen Energiewirtschaftsstudenten. Er hatte viel Sachverstand was den Bereich erneuerbare Energie und kreative Ideen anging. Im Laufe des Gespräches stellte er mir auch die Frage, was ich machen würde. Ich sagte wahrheitsgemäß: „Ich hab’ Religionspädagogik studiert.“ Sein Kommentar: „Aha! und hast du schon vorher geglaubt oder kann man durchs Studieren zum Glauben kommen?“ „Ne, ich hab’ schon vorher geglaubt.“ Danach ging es ziemlich schnell wieder um schwimmende Wasserturbinen.
Eigentlich ein Gespräch, wie ich es schon häufig geführt habe. Aber seine Rückfrage hat mich nachdenklich und forschend gemacht. Schließlich will ich als Religionspädagoge und Gemeindeassistent Glauben vermitteln. Kann man Glauben lernen und wie bin ich selbst zu meinem Glauben gelangt?
Das Zusammenspiel von Glauben und Mitmenschen wird für mich immer mehr zur Antwort auf diese Fragen.
Wie bin ich glaubend geworden? Ich hatte schon als kleines Kind ziemliches Glück. Meine Eltern hatten ein gutes Gespür für „Mehrwerte“, die ich brauchte. Ich durfte so viel spielen und träumen wie ich wollte, hatte die Möglichkeit, Musikinstrumente zu lernen und bin jede Woche mit in unsere Dorfkirche in Reelsen genommen worden. Damals konnte ich jede Woche neu das Deckenbild unserer Kirche entdecken und hinterfragen. Messdiener werden war noch normal (bleiben, jedoch selten) und Pfadfinder-sein mein Lernort für die meisten zwischenmenschlichen Fertigkeiten. Gebet und Segen im Rhythmus des Tages gehörten zu meinem Leben.
Mein Glaube hatte es nicht immer so leicht wie in meinen Kindheitstagen: Bis zur Klasse zehn war ich Realschüler. Das war für meinen Glauben keine einfache Zeit. Im bedeutendsten sozialen Umfeld war nicht viel Religiöses zu finden. Mitschüler können grausam sein, wenn es um Dinge geht, die man nur „glauben“ kann. Und nicht alle Lehrpersonen haben die nötige Strahlkraft. Nach der Realschulzeit wollte ich Tischler werden. Aber es hat sich anders gefügt. Ein Meister in einem Tischlerbetrieb sagte damals zu mir: „Mach erstmal Abi, das packste bestimmt.“ Und so bin ich an das Gymnasium Sankt Xaver in Bad Driburg gekommen – ein Gymnasium, damals noch in Trägerschaft der Steyler Missionare. Und irgendwie fügte sich nach und nach alles anders und meine Frage zur Beziehung zwischen Glauben und Mitmenschen entstand.
Für mich wurde Erstaunliches klar: Es gibt Mitmenschen, die auch 16 sind und trotzdem noch Messdiener, die mit zum Gottesdienst gehen und die Bibelseiten zum Lesen und nicht zum Kiffen benutzen. Und das beste für mich als Jugendlicher: Diese Mitmenschen stehen noch nicht einmal am Rande der Gesellschaft, sondern sind voll akzeptiert.
Ich muss zugeben, in dieser Zeit hatte ich (und mein Glaube) ziemlich viele gute Mitmenschen: Ein Heimatpfarrer, der mich mit nach Paraguay in ein Hilfswerk für Rechte ungeborener Kinder nahm und später mit mir nach Santiago de Compostella pilgerte, ein Priester und Religionslehrer, der andere Glaubenden oder „Sehnsüchtige“ regelmäßig zum Essen und Reden eingeladen hat und immer wieder Begegnungen mit Menschen, die Hoffnung und Vertrauen auf Jesus Christus ausstrahlten.
Als ich dann zum Religionspädagogikstudium kam, wurde alles noch potenziert. Wir waren viele, zwar alle irgendwie mit unterschiedlichen Zugangswegen: Aus Jugendarbeit oder Glaubensgemeinschaft, direkt nach der Schule oder nach dem „Kinder-auf-eigene-Beine-Bringen“, aber aus meiner Sicht heraus alle irgendwie mit der Sehnsucht nach dem Mehr.
Mittlerweile bin ich Gemeindeassistent in 10 Dörfern im Kreis Höxter. Ob dies Berufung ist, weiß ich nicht. Aber ich erkenne immer mehr, dass der Satz „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker“ (nach Mt 28,19f), der am Gymnasium St. Xaver steht, für mich bedeutet, Mitmensch zu sein, der Gott mitsucht, mithofft und sehnsüchtig ist nach einem Leben in Fülle und das auch im Missionsgebiet vor und hinter meiner Bürotür.
Johannes Schäfers, Gemeindeassistent im Pastoralverbund Nethegau



