„Ich begegne den Menschen mit einem Lächeln.“

Als Fazit ihres Jahres als MaZ’lerin in Indonesien sagt Alina Görmann: Es war wohl das bisher aufregendste und spannendste Jahr, das ich je erlebt habe, mit so vielen Abenteuern, Eindrücken und wertvollen Begegnungen auf engstem Raum, die ich unmöglich alle in Worte fassen könnte.

An einem hinduistischen Feiertag auf Bali

Ich wurde während des Jahres in viele Rollen gesteckt und habe mich auch selber in einigen wiedergefunden: ich war Ausländerin, Kulturträger, Abenteurerin, Lernende, große Schwester, Mutter, Zuhörer, Ratgeber, Tröster, Geschichtenerzähler, große Weiße, die reiche Westlerin, eine Riesin, Fremde, Freundin, Lehrerin, Vorbild, Missionarin, Mädchen für alles, Spielgefährtin, Familienmitglied, Weltenbummler…
Gefühlt
habe ich mich oft: fehl am Platz, anders, unverstanden und hilflos und umso öfter glücklich, einzigartig, zufrieden und so wie ICH bin…so lebendig, leicht und richtig wie ich mich bisher selten gefühlt habe. – Auf das Wesentliche konzentriert.

Meine ursprüngliche Motivation „Missionarin auf Zeit“ zu sein, hat sich positiv bewahrheitet: ich konnte mich durch das Auslandsjahr ausprobieren, habe herausgefunden, welchen beruflichen Weg ich einschlagen möchte, konnte mich selber mit meinen Stärken und Schwächen besser kennen lernen und gleichzeitig völlig eintauchen in eine neue und andere Kultur.
Das Jahr hat mir Raum und Zeit gegeben meinen Horizont zu erweitern und meine eigenen, ja, auch deutschen Werte zu hinterfragen, um somit meinem jetzigen Leben mit einer größeren Kritikfähigkeit gegenüberzustehen.

Alina mit den Menschen in ihrem Projekt

Der größte Schatz von allen ist wohl, dass ich in diesem fernen Land eine neue Heimat finden konnte. Durch die Offenheit, die Gastfreundschaft und den tiefen Glaube der Menschen habe ich mich von Anfang an in der Gemeinschaft aufgenommen gefühlt.
Ich habe erfahren, wie der Glaube Menschen und Kulturen verbindet und die „Eine-Welt“ zusammenhält. Das gibt mir sehr viel Vertrauen.
Und was ist jetzt, wo ich wieder zu Hause bin?

Die Menschen laufen aneinander vorbei; heben nicht einmal den Kopf, um ihren Gegenüber anzublicken; jeder rennt seinen Zielen hinterher, doch liegt das Ziel nicht direkt auf ihrem Weg?
Manchmal frage ich mich, wo die Zwischenmenschlichkeit in Deutschland geblieben ist:
Wurde sie auf die Familie und auf den Freundeskreis reduziert?
Wo ist sie auf der Straße, in der U-Bahn, im alltäglichen Zusammen-Leben zu spüren?
Ist es nicht genau diese Zwischenmenschlichkeit – das Stehen-Bleiben, der Small-Talk, das „Sich-Füreinander-Zeit-Nehmen“ – auf die es letzten Endes ankommt?!
Neben meiner Individualität, auf die ich nicht verzichten möchte und die ich auch nach außen hin zeigen dürfen will, ist mir die Gemeinschaft mindestens genauso wichtig geworden.
Und damit meine ich nicht den familiären Zusammenhalt, das Einstehen für einen langjährigen Freund oder etwa das Vereinsleben. Nein! – Ich meine die Gemeinschaft, die über Landesgrenzen, Bildungsstände und Hautfarben hinwegsieht. Die den Anderen von Grund an so akzeptiert, wie er als Mensch ist.
Und diese Gemeinschaft fängt meiner Meinung nach mit einer gewissen Offenheit an, einfach hinzusehen und womöglich Verständnis für den Anderen zu zeigen.
Gerade und besonders für diejenigen, die mir fremd oder komisch erscheinen.

Ich versuche den Menschen mit einem Lächeln zu begegnen.
Denn ein Lächeln ist der Anfang von allem…

Zum Schluss noch ein Gedicht, welches ich im Verlauf der Jahres geschrieben habe.
Es spiegelt einen Prozess wieder, der meine Sicht auf die Welt zeigt.
Anfangs dachte ich nicht, dass ein Leben in zwei Welten möglich ist…

Zwischen zwei Welten
Neugierig, offen, vorurteilsfrei
aus dem Vertrauten in die Fremde.
Alltägliches wird unverständlich,
Ungewohntes vertraulich.
Mit dem Herzen hier, mit den Gedanken dort.
Doch wo?
Grenzen verschwimmen, Gemeinsamkeiten wachsen, Hautfarben werden eins,
und da überkommt mich das Gefühl:
auch in der Fremde zu Hause zu sein.
Belehrt, reich, erfahren
aus dem Vertrauten in die Heimat.
Unterwegs gewesen in der anderen Welt
auf der Suche nach mir selbst.

Und was bleibt?
Ein Schatz im Herzen, der die Eine-Welt zusammenhält.

(Alina Görmann, für ein Jahr Missionarin auf Zeit in einem Projekt der Franziskanerinnen Salzkotten in Indonesien)

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